500, das ist die Marke die weinovino im Jahr 2011 überschritten hat. 500 Weinverkostungen unterschiedlicher Weine aus allen Regionen Italiens, die Freude bereitet haben, aber auch in manchen Fällen zu Enttäuschungen führten.
Diese Marke nehmen wir nun zum Anlass ein Fazit in Form von einer statistischen Erhebung zu ziehen. Natürlich ist dies durch die einfache Auswertung von Zahlen eigentlich nicht möglich. Jedoch ist es interessant zu wissen, ob die Zahlen unsere Meinung von Weinregionen, Jahrgängen etc. bestärken, oder zu einem anderen Schluss kommen. Desweiteren zeigt die Statistik auch klar wo unsere bevorzugten Regionen in Italien liegen, bzw. welche Weinart oder welchen Jahrgang wir bevorzugen.
Nachfolgend die Ergebnisse unserer Auswertungen. Sie können das Gesamt-PDF auch hier aufrufen.
Weinart:

91% der verkosteten Weine in der Weindatenbank sind Rotweine, 6% Weissweine und der Rest „Spezialweine“ wie z.B. Rose oder Süssweine.
Dieser Wert bestätigt absolut unsere persönlichen Vorlieben. Rotwein ist bei uns immer die erste Wahl, was aber auch damit zusammenhängt, dass wir Weißweine eher aus anderen Ländern bevorzugen. So ist uns ein mineralisch, fruchtbetonter Frankenweisswein lieber als ein trockener Soave. Natürlich eignet sich ein italienischer Weisswein meistens besser als Essensbegleiter. Da wir jedoch Wein eher als Solist geniessen und nicht durch die Aromen des Essens verfälscht haben wollen, ist dies kein Argument für uns. Italienische Rotweine hingegen sind unserer Meinung nach, den deutschen weit überlegen. Die Vielfalt, sei es an Trauben, Regionen, Winzern etc. ist spannend und die Qualität auf einem sehr hohem Niveau.
Regionen (Anzahl Verkostungen):

Weine aus der Toskana wurden von uns am häufigsten verkostet. Sie machen ca. 40 Prozent aus. Piemont (15%) und Apulien (11%) folgen mit großem Abstand.
Natürlich outen wir uns hier als große Toskanafans, sei es wegen der einzigartigen Landschaft als auch wegen der hervorragenden Weine. Jedoch versuchen wir auch andere Regionen kennenzulernen. Am Liebsten durch Reisen und Besuche bei Winzern vor Ort. So kommt es, dass auch der Piemont inzwischen in unserer Weindatenbank würdig vertreten ist. Beide Regionen besitzen unzählige Weingüter und unterschiedlichste Weine auf höchstem Niveau. Aber auch andere Regionen wie z.B. Apulien, Umbrien oder Sardinien verdienen große Beachtung. Im Gegensatz zu vielen anderen Landsleuten haben wir hingegen zu Regionen wie Südtirol oder Trentin noch keinen richtigen Draht gefunden. Weine aus diesen Regionen erinnern uns sehr an Weine aus Österreich oder Deutschland, und hier würden wir aufgrund der regionalen Verbundenheit und der Ökobilanz immer einheimische Tropfen bevorzugen.
Regionen (Punkte):
(Graphik siehe vorheriges Kapitel) Die durchschnittliche Punkteanzahl einer Weinverkostung bei weinovino beträgt 80,1 Punkte. Sardinien führt mit 84,3 Punkten im Schnitt klar vor Molise mit 82,1. Piemont (80,9) und die Toskana (80,5) rangieren im oberen Mittelfeld, Venetien bildet mit 77,0 Punkten im Durchschnitt das Schlusslicht.
Überraschend war es für uns schon, dass Sardinien so klar an der Spitze steht. Jedoch muss man auch klar sagen dass 7 verkostete Weine nicht sehr repräsentativ sind (wir haben allgemein nur Regionen ausgewertet die mindestens 5 verkostete Weine aufweisen konnten). Jedoch lässt es sich auch nicht von der Hand weisen, dass Sardinien vor allem im höheren Qualitätsbereich (aus dem unsere verkosteten Weine stammten) grandiose Weine mit hohem Wiedererkennungspotential besitzt. Molise auf Platz zwei ist geprägt von dem bekannten Weingut Di Majo Norante von dem alle unsere verkosteten Weine entstammen und die uns jedes Jahr wieder begeistern. Daraus geht klar hervor, dass hier nicht die Region Molise, sondern nur ein Weingut verantwortlich ist für den hohen Rang.
Aufgrund der Anzahl verkosteter Weine wirklich repräsentativ hinsichtlich unserer Punktevergaben sind die Toskana und der Piemont. Beide liegen klar über dem Italiendurchschnitt was auch unsere Meinung und die der Fachwelt bestätigt. Aus beiden Regionen stammen hervorragende Weine, aber auch erbärmliche Massentropfen, die den Schnitt entsprechend senkten. Das Schlusslicht Venetien ist geprägt durch diese Massentropfen. Hoher Ertrag stand bei den verkosteten Weinen oft über der Qualität. Konzentrierte Weine mit Begeisterungspotential sind fast ausschliesslich im höheren Preissegment zu finden (wie z.B. Amarone), wobei auch hier die Auswahl des Weingutes entscheidend ist.
Jahrgänge:

Betrachtet man die Weinjahrgänge 1999 - 2009 so sticht der Jahrgang 1999 mit durchschnittlich 83,9 Punkten hervor. Auf Platz zwei rangiert 2000 (82,2 Punkte) gefolgt von 2006 (81,0 Punkte). Mit Abstand der schlechteste Jahrgang ist 2002 mit einem Schnitt von 69,8 Punkten.
Weinjahrgänge verleiten zu Verallgemeinerungen. Wirklich gute Winzer schaffen es wahrscheinlich auch in schlechten Jahren einen guten Wein herzustellen. Einen Wein nur wegen eines guten Jahrgangs zu kaufen ist zu einfach. Jedoch kann man bei einer Durchschnittsbetrachtung schon recht klar sagen welcher Jahrgang ein eher Guter war und welcher ein eher Schlechter war.
Dass der Jahrgang 2002 von der Fachwelt zu den Schlechtesten in Italien gezählt wird wurde in unseren Degustationen bestätigt. Nur wirklich gute Winzer schafften es in diesem Jahr einen trinkwerten Wein zu produzieren. Auch gab es regionale Schwankungen. Wir kaufen generell keine italienischen Weine mehr von diesem Jahrgang und wir würden auch unseren Weinfreunden hierzu raten. Dass der Jahrgang 1999 bei uns so gut abschneidet liegt bestimmt daran, dass wir nicht sehr viele Weine aus diesem Jahrgang verkostet haben und die die wir verkostet haben waren Weine von überdurchschnittlicher Qualität. Begünstigt sind bei uns die älteren Jahrgänge auch durch hochwertige Brunello und Barolo Verkostungen. Diese Weine lagern wir bei uns und verkosten sie frühestens 10 Jahre nach dem angegebenen Jahrgang. Somit sind die jüngeren Jahrgänge in dieser Statistik benachteiligt, da diese noch keine Verkostungen dieser hochwertigen Weine beinhalten. Der Jahrgang 2003 ist unser persönlicher Geheimtipp, womit wir jedoch nicht konform gehen mit der Meinung von Johnson und Co. Dieses trockene Sonnenjahr brachte schwere konzentrierte Weine hervor die uns gut schmeckten. 2006 und 2007 zählen aktuelle zu unseren bevorzugten Weinjahrgängen und wir können unseren Lesern nur raten hochwertige lagerfähige Weine aus diesen beiden Jahren zur weiteren Lagerung zu kaufen. Sie werden uns sicher auch in Zukunft noch viel Freude bereiten.
Fazit:
500 unterschiedliche Weine Weine, 500 spannende Verkostungen (bzw. eigentlich viel mehr da wir einige Weine natürlich mehrfach verkostet haben), 500 Momente über Wein nachzudenken. Unter dem Strich lässt sich nur sagen dass das Leben zu kurz ist um schlechte Weine zu trinken. Viele Massentropfen aus unseren Anfangsjahren als Weinliebhaber, würden wir so heute niemals mehr kaufen, geschweige denn trinken. Heute bevorzugen wir Weine von kleinen Weingütern, vielleicht aus Regionen die verkannt sind oder unter enormem Arbeitsaufwand produziert werden (z.B. Steillagen). Wenn ein guter Wein noch biologisch ausgebaut ist, so ist das natürlich besonders schön, jedoch ist dies für uns nicht das Kaufkriterium.
Es gibt Fachleute die geißeln Weine mit Holznoten und welche die verehren derartig gestylte Weine und überschütten diese mit Lob und hohen Bewertungen. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich zwischen beiden Parteien. Es wäre schlecht wenn nur ein Weinstil gelobt und gefördert wird, das würde der Vielfalt schaden. Wir sind jedenfalls froh, dass es solche und solche Weine gibt, da wir je nach Lust und Laune gerne Weine von unterschiedlichstem Charakter trinken möchten. Jedoch sollte solch ein Wein zu der jeweiligen Region bzw. Tradition passen und nicht nur aufgrund weltweiter Trends auf Kosten der bisherigen traditionellen Weine produziert werden.
Letztendlich wollen wir an unsere Leser appellieren die kleinen Winzer zu unterstützen und den Massenproduzenten mit Ihrem Einheitsbrei die kalte Schulter zu zeigen. Desweiteren bitten wir Sie Weine nicht in Supermärkten, sondern von Fachhändlern, im Idealsten Fall vor Ort beim Winzer zu erwerben. Nur so wird garantiert, dass die Winzer für ihre Arbeit angemessen entlohnt werden und die Weinvielfalt in Italien erhalten bleibt. In diesem Sinne "Salute!“. Auf Ihre und unsere nächsten Verkostungen.